Das war
Das war : Themenabend Organspende
Hochgeladen von Lechner-Bollinger, Argula am 20.05.2010 00:50 (111 x gelesen)
"Jeder Mensch möchte gern auf sein Leben zurückblicken und feststellen, dass er Spuren hinterlassen hat. Ich bin eine deiner Spuren. Danke!" (Bruno, Empfänger einer Herzspende)


Hoffnung und Angst, Fragen und Zweifel. In dem Film "Der Tod auf der Warteliste" von Heidi und Bernd Umbreit geht es um Organspenden. Genauer gesagt um den Zwiespalt, das Gedankenkreisen, den inneren Kampf, den Menschen durchleben, die auf ein Herz oder eine Niere warten - wohlwissend, dass sie sonst beim Tod auf der Warteliste weiter oben stehen. Und es geht um den Schock, das Wälzen von Argumenten, das Ordnen von Gefühlen bei Menschen, die vor der Entscheidung stehen, ob sie die Organe des gerade sterbenden, nahen Angehörigen zur Entnahme freigeben oder nicht.

Allein dieser Film, der 1995 vom ZDF für die Reihe 37 ° gedreht wurde, hätte eindrucksvoll die wichtigsten Fragen zu Organspenden beantwortet. Martin Kalus, Transplantationskoordinator am Stuttgarter Katharinenhospital, hatte zusätzlich Patienten eingeladen, die mit ihrer Geschichte die Zuhörer tief berührten, weil sie greifbar machten, was es heißt, mit einem geschenkten Organ ein neues Leben leben zu dürfen bzw. auf diese Chance zu warten. Sie wollte wenigstens ihren Enkel noch kennenlernen, erzählt die Patientin und lächelt, heute ist er 16 Jahre und ihr über den Kopf gewachsen. Sie genieße ihr geschenktes Leben und betont, es ist nicht selbstverständlich. Sie hatte Glück und bekam rechtzeitig ein passendes Herz und eine Lunge verpflanzt. Auch der vor Lebensmut sprühende Dialysepatient und der Empfänger einer Lebendspende und seine Frau, mit deren Niere er lebt, erlauben Einblicke in ihr Leben. Auf einmal wird beklemmend deutlich: es sind Menschen aus unserer Mitte.
Zugegeben, es fällt schwer, sich dieser elementaren, lebensentscheidenden Frage zu stellen - das erklärt vielleicht auch die kleine Besucherzahl. Aber wie Herr Kalus aus seiner beruflichen Praxis berichtet, ist genau das ein Grundproblem der Transplantationsmedizin: wenn die Frage nach einer möglichen Freigabe der Organe bei einem hirntoten Patienten an die Angehörigen gestellt wird, die unmöglichste Frage zum ungeeignetsten Zeitpunkt, wissen die wenigsten, wie ihr Angehöriger dazu eingestellt war, weil nie darüber gesprochen wurde. Die Bereitschaft zur Organspende ist mit 16 pro Million in Deutschland besonders niedrig, Baden-Württemberg und Bayern sind dabei die Schlusslichter. Dabei warten allein in Baden-Württemberg aktuell 1268 Patienten auf eine Niere, das heißt 7-8 Jahre Wartezeit, wenn überhaupt ein passendes Organ gefunden wird.
In seiner wichtigen Aufklärungsarbeit seit 20 Jahren sind die LandFrauenvereine ein wichtiger Multiplikator bei seinem schwierigen Bemühen, das Tabuthema in die Bevölkerung zu tragen, lobt Martin Kalus. Wenngleich sich nur eine kleine Gruppe an das Thema heranwagte, erreichten wir durch den Besuch einer BKZ-Redakteurin immerhin, auf dem Umweg über die Zeitung die notwendige Information weiterzutragen und hoffentlich einige zum Nachdenken über das unbequeme Thema Organspende zu bringen.
Unterstützt wurde die Veranstaltung von der Barmer-GEK, die die Hälfte der Kosten übernahm. Besonderer Dank gilt den drei Patienten, die mit ihrer Offenheit alle sehr berührten. 

zu den Bildern
 
weiterführende Informationen finden Sie hier:

www.dso.de

www.transplantationszentrum-stuttgart.de

http://organspendevortrag.de


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