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Lesung über die Reformatorin Argula von Grumbach

04.10.17 Mit ihrer Vorsitzenden Argula Bollinger wagen die Burgstettener Vorstandsfrauen eine ganz besondere Veranstaltung im Reformationsjahr.

Eine Frau schreibt einen Protestbrief an hochrangige Persönlichkeiten. Sie argumentiert eloquent, untermauert ihre Haltung mit Bibelzitaten, fordert die Empfänger zur Diskussion auf, das Schreiben wird von Unterstützern mehrfach gedruckt und verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Spektakulär daran ist, das geschieht vor 500 Jahren, Frauen haben kein öffentliches Rederecht, ‚lutherisch reden‘ ist von Kirche und Staat untersagt. Es geht um die Verteidigung eines 18-jährigen Studenten, der reformatorische Ansichten teilt und dafür in einem Schauprozess verurteilt wird.

Eine mutige Frau, Argula von Grumbach, vergessen von der Kirchengeschichte. In einer packenden Lesung erinnerten anlässlich des Reformationsjubiläums sieben Burgstettener Landfrauen um Argula Bollinger an diese glaubensstarke, engagierte Zeitgenossin Luthers. Die Kirchengemeinde Erbstetten bot ihnen dafür ein Podium und gestaltete den Rahmen für einen kommunikativen Abend.

Szenen aus dem Theaterstück von Prof. Dr. Jürgen Hofmann ließen die historische Figur lebendig werden. Zeilitzheim, ein Dörfchen nahe Würzburg, war Argulas letzte Lebensstation, Hofmann wuchs als Pfarrerssohn dort auf, wo die streitbare Reformatorin über die Jahrhunderte nicht vergessen wurde. Komplettiert wurde das Bild über ihr Leben und Wirken von den gekonnt und kurzweilig vortragenden Landfrauen mit Texten aus der 2014 erschienenen Biografie des Argulakenners Prof. Peter Matheson. Der Neuseeländer war nach 30 Jahren Reformationsforschung durch Zufall auf einen ihrer Briefe gestoßen und von Argulas Energie, Sprachgewalt und Zivilcourage fasziniert.

Argula von Grumbach zahlte für ihr beherztes Eingreifen einen hohen Preis: ihr Mann verlor sofort seinen einem Landrat vergleichbaren Posten, die Familie hatte mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Trotzdem setzte sie sich auch weiter viele Jahre aktiv und wirkungsvoll für die Reformation ein. Der Delinquent Arsacius Seehofer landete übrigens nicht wie viele andere auf dem Scheiterhaufen, sondern entkam aus seiner Verbannung ins Kloster und wirkte später als Pfarrer im evangelischen Württemberg in Winnenden.

Bilder zu unseren Veranstaltungen

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